Asia Serpinskaya in Stuttgart

Ein erschütternder Bericht aus der Ukraine

 

 

Am 26.Januar 2012 besuchte Asia Serpinskaya das Tierheim in Stuttgart-Botnang.

Sie ist eine der engagiertesten Tierschützerinnen in der Ukraine, Vorstand der Tierschutzverbandes AZOU und Leiterin des Tierheims Gostomel in der Nähe von Kiew

(Siehe Schwerpunkt Ukraine).

 

Ihre Berichte aus der Ukraine waren traurig und ihre mitgebrachten Filme und Fotos an Grausamkeit kaum zu überbieten. Auf den Straßen liegende Hunde im stundenlangen Todeskampf. Meterlange Gräben voller (halb)toter Hunde. Auf einem Bild war eine Promenade mit flanierenden Urlaubern zu sehen, während einige Schritte weiter am Rand verendete Hunde lagen. Es schien niemanden zu interessieren.Ein Hund schleppte sich, noch mit einer Giftspritze in der Flanke steckend, durch die Straßen. 

Im Herbst erteilte die Ukrainische Regierung aufgrund der weltweiten Proteste ein Tötungsverbot. Doch nur in Kiew und Odessa wurde es zumindest in der Öffentlichkeit gestoppt. Im Rest des Landes handeln die Kommunen eigenständig und die zuständige Müllabfuhr verteilt weiterhin das Nervengift Ditilin an die zuständige Müllabfuhr. Die Tiere haben Krämpfe und ersticken langsam und elend. Selbst viele Privatpersonen beteiligen sich, das Töten der Straßenhunde ist eine Art Volkssport.

Auf einem so genannten  "Vogelmarkt" werden alle denkbaren Tiere verkauft. Unerwünschter Nachwuchs von Haustieren wird von den Einwohnern zum Markt gebracht und an die Händler verkauft oder verschenkt. In dem Film waren unzählige Hunde und Katzenbabys zu sehen, eingepfercht in Kartons und kleine Käfigen. Viel sterben schon nach kurzer Zeit, sie ersticken oder verdursten. Jugendliche kaufen sich für wenig Geld Welpen, quälen sie zu Tode und filmen ihre Grausamkeiten, um sie ins Internet zu stellen und damit zu prahlen. Tiere, die am Abend nicht verkauft sind, werden auf die anliegenden Bahngleise, in Mülleimer oder auf die Straße geworfen.Diese Tiermärkte sind offiziell verboten, aber keiner hält sich daran.

Ein anderer Film zeigte eine Veterinärakademie. Dort werden Straßenhunde 1-2 Tage aufbewahrt um alle möglichen Versuche mit ihnen zu machen.Die Hunde steckten zusammen gequetscht in kleinen Holzkisten. Ein von Tierschützern befreiter Hund konnte sich nicht mehr aufrichten und nicht mehr laufen. Spätestens nach zwei Tagen ist jeder Hund tot.

Eine Hundebeitzerin erzählte, man habe bei einem Spaziergang ihren kleinen Hund erschossen, der nur einige Meter neben ihr herlief.

Auch Katzen sind von den Tötungen betroffen, sie werden einfach erschlagen um Gift und Munition zu sparen.

In Odessa und Kiew ist die Situation besser. Aber auch das kann sich jederzeit wieder ändern. In Kiew haben örtliche Tierärzte begonnen, Starßenhunde zu kastrieren. Jedoch nicht nach europäischem Standart, d. h. viele Hunde überleben es nicht. An der Narkose wird gespart, die Wunden entzünden sich, weil einfaches Küchengarn zum Vernähen verwendet  (und nicht entfernt wird). Manchmal sieht man Hunde mit geöffneter Bauchdecke und heraus quellenden Innereien auf der Straße liegen, weil es keine Nachversorgung gab.

 

 

 

 

Trotzdem gibt es auch kleine Lichtblicke und Möglichkeiten zu helfen.

Die internationalen Proteste sind in der Ukraine angekommen.

Während einheimische Tierschützer nicht ernst genommen werden, setzen die negativen Medienberichte aus dem Ausland die Regierung zunehmend unter Druck.

Jede Protestaktion, seien es Mahnwachen, Demonstrationen, das Unterzeichnen von Petitionen (besonders direkt an die Ukrainische Regierung gerichtet) und natürlich Berichterstattungen über die Tötungen sind wichtige Schritte hin zu tierschutzgerechten Lösungen.

 

Der Tierschutz in der Ukraine steht noch ganz am Anfang.

Es gibt kaum Tierschutzgesetze und so gut wie keine Bestrafungen bei der Nicht-Einhaltung.

Dafür muss weiter gekämpft werden!

Auch vor Ort wird dringend die Hilfe von ausländischen Tierschutzorganisationen gebraucht.

Die Ukraine könnte sehr von deren Erfahrung profitieren, z.B. um mit präventiven Maßnahmen dem Tierleid vorzubeugen und einen Wertewandel in der Gesellschaft zu fördern. Zum Beispiel muss bereits an Schulen  aufgeklärt werden, dass Tiere keine gefühllosen Wegwerfartikel sind oder Prominente können "Tierliebe vorleben" und eine Vorbildfunktion haben.

Und die Ukraine braucht dringend veterinärmedizinische Unterstützung für Kastrationsprojekte.

In Gostomel gibt es zum Beispiel räumliche Kapazitäten für die Kastration von 80 Hunden, aber es fehlt es an Geld um Tierärzte zu bezahlen.

 

Auch wenn wir um das Elend der Straßentiere wussten, gingen uns die Berichte sehr nah und der Einsatz von Asia hat uns sehr beeindruckt. Sie unterscheidet nicht zwischen dem "eigenen" Hund und einem Straßenhund, sondern kämpft für jede einzelne Seele gleichermaßen.Ihre Liebe zu den Tieren spürt man mit jedem Satz und jeder Gestik.

Den Vortrag schloss sie mit den Worten "Hunde kennen keine Nationalitäten".

 

Egal, ob sie aus der Ukraine, Deutschland oder sonst woher stammen.

Sie alle haben den Wunsch zu leben.

Deshalb darf Tierschutz nicht an den Ländergrenzen halt machen.

Ein großes herzliches Dankeschön geht an die Katzenhilfe Stuttgart e.V. und das Tierheim Stuttgart,

die so kurzfristig das Treffen möglich gemacht haben und vor allem an Julia Neuerer, die noch bis spät in die Nacht übersetzt hat. 

 

Nach einer gemeinsamen Führung durch das Tierheim waren wir immer noch aufgewühlt von den vielen Eindrücken und voller Fragen, wie man die Hilfe für die Ukraine schnellstmöglich umsetzen könnte.

 

In kleiner Runde saßen wir bis 23 Uhr mit Asia zusammen. Sie erzählte viel von Gostomel und wie sie mit wenigen Mitteln Hunderten von Hunden und Katzen ein Zuhause gibt.

Die Vermittlungsquote liegt unter 1%, d.h. es werden ständig mehr Tiere.

Man braucht dringend mehr Öffentlichkeit um das rein private Tierheim mit Spenden zu unterstützen, aber die tägliche Arbeit alle Hunde zu versorgen, lässt kaum Zeit dafür. Es gibt kein Internet, keinen Strom, nicht mal einen Briefkasten.

Gostomel liegt einige Kilometer von Kiew inmitten eines Feldes.

Als Asia das Tierheim vor Jahren eröffnete, und zum ersten Mal Rauch aus dem Schornstein aufstieg, dachten die umliegenden Bauern, sie würde Hunde halten um sie zu Seife zu verarbeiten.

Mittlerweile wird sie oft gerufen, wenn Tiere in Not sind. Sie hilft jedem einzelnen Vierbeiner, aber sie braucht dabei unbedingt mehr Unterstützung.

 

 

Wer für Gostomel spenden, möchte findet unter dem Menüpunkt Schwerpunkt Ukraine den Link zum Spendenkonto.

 

Genau so wichtig ist es die Proteste fort zu führen,ob durch schriftliche Proteste (Siehe "Ihre Hilfe") oder der Beteiligung an Mahnwachen und Demos.

 

Mehr Infos zur Mahnwache am 11.02.2012 in Ludwigsburg findet ihr auf dieser Homepage oder auf facebook:

 

 

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